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Politische Bildung unter Druck: Lehrerverband fordert klare Rückendeckung für Lehrkräfte und Lehrende an Hochschulen

Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) reagiert mit großer Besorgnis auf aktuelle Entwicklungen, die Lehrkräfte und Hochschullehrende bei der politischen Bildungsarbeit massiv unter Druck setzen. Zwei Vorgänge machen die Dringlichkeit des Handelns deutlich.

Das aktuelle Bildungsbarometer zeigt ein alarmierendes Ausmaß an Verunsicherung: 18 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot in ihrem pädagogischen Handeln eingeschränkt, 27 Prozent glauben sogar, ihre eigene politische Haltung grundsätzlich nicht äußern zu dürfen. „Diese Zahlen belegen, welche realen Wirkungen demokratiefeindliche Strategien aus dem rechten Lager entfalten“, erklärt Boris Krüger, Landesvorsitzender des dlh. „Lehrkräfte werden durch Meldeportale, parlamentarische Anfragen und dienstrechtliche Beschwerden eingeschüchtert und psychisch unter Druck gesetzt. Das ist nicht hinnehmbar.“

Der dlh stellt klar: Der Beutelsbacher Konsens formuliert kein Neutralitätsgebot. Er verpflichtet Lehrkräfte vielmehr zum aktiven Schutz der Demokratie – einschließlich der Pflicht, sich demokratiefeindlichen, herabwürdigenden und menschenfeindlichen Entwicklungen im schulischen Alltag entgegenzustellen. „Politische Bildung braucht fachlich fundierte, demokratische Orientierung. Lehrkräfte haben den Auftrag, demokratische Werte zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zu einer eigenen, begründeten Meinungsbildung zu befähigen. Dafür brauchen sie die volle Rückendeckung aus Politik und Gesellschaft“, so Krüger.

Exemplarisch für die wachsende Bedrohungslage steht der Fall von Prof. Dr. Christina Brüning an der Philipps-Universität Marburg. Die Wissenschaftlerin, die zu Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Holocaust Education forscht und lehrt, ist Ziel von Gewalt- und Morddrohungen sowie antisemitischen und antifeministischen Anfeindungen geworden – maßgeblich vorangetrieben aus dem Umfeld rechter Burschenschaften, aber auch aus antiisraelischen Kreisen. Der dlh solidarisiert sich ausdrücklich mit Prof. Dr. Brüning. „Wer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Arbeit zu diesen gesellschaftlich unverzichtbaren Themen bedroht, greift nicht nur Einzelpersonen an – er greift die Grundlagen unserer demokratischen Bildungsgesellschaft an“, betont Landesvorsitzender Krüger. Dass Frau Brüning nach diesen Angriffen nach eigenen Angaben nicht mehr angstfrei lehren kann, zeigt: Die Einschüchterungsstrategie wirkt. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Der dlh fordert Politik, Hochschulleitungen und die Gesellschaft insgesamt auf, Lehrkräfte und Lehrende, die sich für Demokratie, Menschenwürde und Aufklärung einsetzen, wirksam zu schützen und öffentlich zu unterstützen. 

Kassel, den 25.06.2026     

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