IVL-Magazin 2 und 3/2019

von Harro Rhenius

Fortsetzung:

Der Artikel 1 unseres Grundgesetztes, „Die Würde des Menschen ist unantastbar,“ ist Mahnung aber auch Postulat. Zur Würde gehört aber auch die freie Entscheidung im kantschen Sinne. Dieses sollte immer oberste Maxime sein, wenn man sich z.B. für die Mitgliedschaft in einem Verband oder in einer Gewerkschaft entscheidet.

Im Mai läuteten wir aber auch einen Generationenwechsel in der Führungsspitze unserer IVL ein. Nach 12 Jahren an der Spitze ging Grete Rhenius nochmals in den „Ruhestand“. Sie stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl.

Ohne Gegenstimmen wählten die Delegierten der Landesvertreterversammlung den bisherigen Stellvertreter, Dirk Meußer, zum neuen Landesvorsitzenden. Weitere Veränderungen im Vorstand geschahen ganz im Sinne der Weiterführung unseres Weges und unserer Durchsetzungskraft. Elke Stamm, die wieder in den HPR-L einziehen wird, wurde zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.

Mit einer bewegenden Rede und einer kleinen Träne im Auge verabschiedete sich Grete Rhenius und bedankte sich bei den Delegierten für das Vertrauen der letzten Jahre. Sie erläuterte die Sicht ihrer Dinge, die sich im Motto des Bildungskongresses niederschlugen: „Bildung – Spielball der Politik“. Sie machte auch deutlich, dass Bildung ohne Schule nicht funktionieren kann, dass Schule aber auch ohne Bildungsanstrengungen nicht möglich ist.

Dirk Meußer, als neuer Landesvorsitzender, stellte sich den Vertretern und erläuterte seine künftige Politik und die damit verbundenen Anstrengungen der IVL zur Qualitätssicherung in den Schulen unseres Landes und den gewerkschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wobei er einen deutlichen Wink an die Regierungsparteien sandte, sich dem Leistungsgedanken und der Forderung nach abschlussbezogenen Klassen, wie es bei der KMK vereinbarte wurde, nicht zu wiedersetzen.

Als Gast des Bildungskongresses dankte die Bildungsministerin Karin Prien der früheren Landesvorsitzenden für die konstruktive Zusammenarbeit, die jedoch manchmal auch von unterschiedlichen Standorten geprägt war. Eine gewisse Seelenverwandtschaft manifestierte die Ministerin mit Augenzwinkern im modischen Look der beiden Damen.

Bildungspolitischen Forderungen der IVL trat sie mit dem Satz „Das ist mit den Grünen nicht zu machen“, entgegen.

Offensichtlich befinden sich die Grünen nach der Europawahl am 26. Mai im Rauschzustand. Nicht die Schulpolitik war für die Hype verantwortlich. Was aber wird, wenn dieser Rausch anhält, mit unserer Bildungspolitik geschehen?

Insbesondere die Gemeinschaftsschule, wie sie sich in Schleswig-Holstein präsentiert, ist ein Lieblingskind der Grünen. Es ist vorstellbar, dass nunmehr der Wille zur Gemeinschaftsschule mit der Forderung des längeren gemeinsamen Lernens zum Markenzeichen hochstilisiert wird.

Kräftige Förderer dieser Bildungspolitik, wie OECD und Bertelsmann-Stiftung, wären begeistert, denn Bildung als bestimmender Faktor für wirtschaftliche Entscheidungen wird von beiden Organisationen vehement vertreten. Das zeigt auch die neue Studie der OECD, die darlegt, dass Deutschland für ausländische Fachkräfte nur mäßig interessant ist. Sie dürfen raten, wer an der Studie beteiligt war.

Für uns als IVL bedeutet dies, und das hat Grete Rhenius in ihren Abschiedsworten sehr deutlich gemacht, dass wir unsere Standpunkte, für die wir jahrelang eingetreten sind, nicht aufgeben, auch wenn sie möglicherweise aus Opportunitätsgründen von anderen Organisationen übernommen werden.

Die IVL ist und bleibt für alle Lehrerinnen und Lehrer ein engagierter Partner. Wir unterstützen die geschaffenen Schulstrukturen, fordern aber abschlussbezogene Klassen. Wir fordern die Rückkehr zum Leistungsgedanken, wir fordern die Anerkennung der von allen Lehrkräften erbrachten Leistungen, wir fordern die uneingeschränkte Anerkennung des Lehrerberufes.

Wir sind Ihre Interessenvertretung.

Das Magazin

 

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