Bürokratie, Bürokratie, Bürokratie

von Harro Rhenius

Das Primat der Bürokratie
von unserem Mitglied U.E.

Wieder einmal hat sie zugeschlagen, diese Bürokratie, der wir alle unterlegen sind. Sind wir wirklich machtlos?

Im Oktober des ersten Schulhalbjahres übernahm ich die Betreuung einer Studentin im ersten Semester. Wir ihr wisst, müssen die Studenten seit einem oder zwei Jahren ein sogenanntes Orientierungspraktikum machen. Eine wie ich finde sinnvolle Sache. Ok, es erzeugt Mehrarbeit, die uns bei unserer Arbeitsbelastung kaum noch zuzumuten ist, aber wir machen das ja gerne.

Als gewissenhafter Lehrer habe ich die Stunden vor- und nachbereitet und so manche zusätzliche Stunde dafür aufgebracht.

Ende Dezember erreichte dann die Studentin eine Mail, dass ihr das Praktikum nicht anerkannt wird. Ich selbst habe von der Flensburger UNI weder ein Schreiben zu Beginn des Praktikums erhalten, in dem man sich ja vielleicht hätte bedanken können, dass ich eine Praktikantin betreue und in dem es vielleicht Informationen über die Durchführung und auch die versicherungstechnische Seite gegeben hätte, noch habe ich eine Mail bekommen, dass das Praktikum nicht anerkannt wurde und meine Arbeit damit umsonst war.

Die Begründung war folgende. Die Studentin hätte sich im Onlineverfahren nicht zur Prüfung, die mit dem Orientierungspraktikum verbunden ist, angemeldet.

Sie hat zwar ohne Fehltage das Praktikum absolviert, hat das dazugehörige Begleitseminar ohne Fehltage besucht und hat das Portfolio termingerecht abgegeben, aber sie hat im Onlineportal keinen Haken gesetzt bei: zur Prüfung anmelden.

Warum ist sie nicht darauf gekommen, sich zur Prüfung anzumelden? Ganz einfach … der Dozent des Begleitseminars hat geäußert, dass es keine Prüfung gäbe. Mit der Abgabe des Portfolios wäre das Praktikum erledigt.

Während andere Dozenten in den parallel stattfindenden Seminaren darauf hingewiesen haben, haben ca. 50 Studentinnen und Studentinnen das nicht mitbekommen.

Meine Interventionen beim Leiter des Prüfungsamtes, dem Präsidenten und der Vizepräsidentin der UNI Flensburg, haben nichts geändert.

Die letzte Mail endete mit folgendem Satz:“ Ich möchte Sie bitten, Ihre Veranstaltungs- und Prüfungsanmeldungen mit der notwendigen Fokussierung vorzunehmen und zu prüfen.“

In Telefonaten habe ich erfahren, dass es wohl schon in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen sei, dass sich Studierende nicht regelkonform verhalten haben. Man wollte nun ein Exempel statuieren, um nicht immer die zusätzliche Arbeit einer Nachmeldung stemmen zu müssen.

Es spielt keine Rolle, ob ein Studierender im Erstsemester auf einen Berg von Neuigkeiten stößt, den es zu bewältigen gilt. Es spielt keine Rolle, dass parallel eine Wohnung gesucht werden muss oder Mitfahrgelegenheiten und/oder vielleicht sogar eine Aufnahmeprüfung zu bewältigen ist, wie im vorliegenden Fall. Es ist auch unerheblich ob die das Praktikum begleitende Lehrkraft bezeugt, eine besonders geeignete Studentin betreut zu haben.

Was zählt, ist das nicht gemachte Häkchen im Onlineverfahren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin schon immer etwas radikaler gewesen als andere.

Mein Postulat wäre: Nehmt keine Orientierungspraktikanten mehr!!!

Wenn die mit Überlastung argumentieren, können wir das auch.

Wer sich dazu nicht durchringen kann, der kann jetzt zumindest seine Praktikantin, seinen Praktikanten darauf hinweisen, dass sie/er sich zur Prüfung anzumelden habe.

Liebe Grüße

 

 

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